SEO in Healthcare und Pharma: Der nachhaltigste Digitalkanal der Branche

Lesezeit: 13 Minuten

29.03.2021

Stellen Sie sich vor, Sie wachen morgens mit Schmerzen im unteren Rücken auf. Gehen Sie auf direktem Wege zum Arzt? Vermutlich nicht. Wahrscheinlicher ist es, dass Sie zum Smartphone greifen. 

Neun von zehn Nutzern informieren sich mittlerweile zum Thema Gesundheit auf Google. Das macht Dr. Google zur größten Gesundheitsberatung des Planeten. 

Bleiben wir bei unserem Beispiel mit Ihren Rückenschmerzen und schauen uns an, wie viele Menschen neben Ihnen noch die Suchmaschine bedienen:

Monatlich geben 65.000 Menschen in Deutschland „Rückenschmerzen" in die Google-Suchmaschine ein. Das sind ganze 780.000 Suchanfragen im Jahr - und das ist nur die Spitze des Eisberges. 

Betrachten wir einige Variationen dieser Keywords (ein Keyword kann aus mehreren Wörtern bestehen), verstehen Sie, was ich mit dieser Eisbergspitze meine:

KeywordsSuchvolumen je Monat
rückenschmerzen unterer rücken5.600
rückenschmerzen schwangerschaft4.200
rückenschmerzen frühschwangerschaft4.000
rückenschmerzen unten3.900
rückenschmerzen übungen3.300
starke rückenschmerzen2.800
rückenschmerzen lendenwirbel2.800

First Things First: Was ist Medical SEO?

Um es auf den Punkt zu bringen: Medical SEO ist die Suchmaschinenoptimierung zum Thema Medizin und Gesundheit. Es ist keine völlig neue SEO-Disziplin, hat jedoch seine eigenen Spielregeln. Beispielsweise optimiert Google seinen Algorithmus fortlaufend über die sogenannten Medic Updates und bestraft Domains bis hin zum totalen Ausschluss. Meist sind das Produktanbieter, die falsche Informationen verbreiten, um den Abverkauf ihres Sortiments zu erhöhen. Dazu später mehr.

Welche Arten von Medical SEO gibt es?

Primär gibt es drei Arten von Medical SEO:

1

Das navigationale SEO, bei dem der Einstieg in gezielte Seiten ermöglicht wird, wie bspw. „Uniklinik Frankfurt Impressum".

2

Informatives SEO, das primär dazu dient, über die Themen Gesundheit und Medizin zu informieren, wie bspw. „Was tun bei Erkältung".

3

Transaktionales SEO, bei dem auf Keywords mit Kaufintention gesetzt wird. Von dieser Art gibt es zwei Unterscheidungen. Keywords, die mit einem Kauf verbunden sind, wie z. B. „Aspirin kaufen" oder lokale Keywords, bei denen ein bestimmter Ort aufgesucht wird, wie z. B. „Orthopäde Hamburg".

Medical SEO: Die Platzhirsche

Vermutlich wissen Sie, was jetzt folgt. Entgegen der Offline-Welt, in der Sie Kliniken wie die Charité, Asklepios, Ihre lokale Uniklinik oder Ihren Hausarzt als Experten in Sachen Gesundheit wahrnehmen, sind diese in der digitalen Gesundheitsberatung wenig vertreten.

Hier finden sich primär die Gesundheitsgiganten Netdoktor und Apotheken-Umschau. Vor allem bei häufig gesuchten Themenfeldern - wie beispielsweise Rückenschmerzen - werden Sie genau auf diese zwei stoßen.

1 / 3

Dass sie für diese hochfrequentierten Keywords besonders starke Rankings haben, hängt mit den Zielen dieser Portale zusammen. Einfach gesagt leben Netdoktor und Co. vom eingehenden Traffic, der Ihre Attraktivität bei Werbetreibenden und somit ihre Einnahmen steigert.

Folglich sind diese Portale nicht vertreten, wenn es um lokales SEO geht - denn Behandlungen führen sie nicht durch.

Um Ihnen ein Gefühl für die SEO-Sichtbarkeit dieser Gesundheitsportale zu geben, nehme ich mit Asklepios einen der größten Krankenhausbetreiber Deutschlands in den Indexvergleich in der unteren Grafik hinzu:

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Quelle: SEO-Visibility nach Searchmetrics

Die Sichtbarkeit-Indizes der Gesundheitsportale im Vergleich zum Klinik-Konzern Asklepios

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Die Nischen im Medical SEO

In Märkten mit derartigen Giganten könnte man schnell glauben, dieser sei völlig gesättigt oder nicht zu schlagen. 

So stark sie in der Breite auch sein mögen, zeigt sich in den Nischen ein ganz anderes Bild. 

Sie haben nun den Artikel zu Ihrer Suchanfrage zu Rückenschmerzen gelesen und stellen fest, es könnte etwas mit Ihrem Schlafverhalten zu tun haben. Sobald Sie „Rückenschmerzen nach Schlafen" (monatlich 450 Mal gesucht) googlen, zeigt sich ein völlig anderes Bild. Eins ohne Netdoktor oder Apotheken-Umschau:

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Die großen Gesundheitsportale finden sich in den Suchergebnissen für Nischen-Keywords selten wieder.

Unter den Top 10 finden sich besagte Gesundheitsportale nicht. Hier platzieren sich Nischenplayer mit Produkten. Konkret stecken hinter Wohnbedarf-Pies, Kipli und Lamodula Matratzenanbieter. Logisch, während ein vergleichsweise geringes Suchvolumen von 450 nahezu uninteressant für Geschäftsziele der Gesundheitsportale ist, sind genau diese Suchanfragen für Matratzenanbieter goldwert. Denn hier hat ein Nutzer ein Problem, dass diese Anbieter mit ihren Produkten lösen können. 

Dieses Bild streckt sich über jegliche Nischen. Häufig finden sich gar unbesetzte Nischen - erkenntlich an Artikeln, die nicht auf die Keywords optimiert oder gar auf Englisch sind.

Warum nicht einfach auf Keywords bieten?

Das vermutlich häufigste Argument, das ich höre, wenn es um das Thema SEO geht. Weiter heißt es, SEO brauche drei bis sechs Monate, bis Rankings erreicht werden. Außerdem habe man kein zehnköpfiges Content-Team. Manchmal sehen es Kunden auch total pessimistisch und meinen, der Markt sei unschlagbar. Gleichzeitig könne man mit Google Ads ab Tag eins Erkenntnisse sammeln und Verkäufe generieren.

Einzelnen Aspekten stimme ich zu. Verstehen Sie mich nicht falsch, Google Ads ist ein wichtiges Werkzeug. Vor allem in der Anfangszeit kann es sehr wohl Sinn machen, frühen Traffic auf Ihre Website zu bekommen, um Erkenntnisse abzuleiten und Ansätze zu erproben. Dennoch werden Sie mit Google Ads bestimmte Dinge niemals erreichen. Dass Gesundheit ein intimes, sensibles Thema und das höchste Gut der Menschheit ist, bestärkt die folgenden Vorteile von SEO extrem:

Die Vorteile von SEO zum Thema Gesundheit

Trust und Image

Wie denken Sie, kommt es an, wenn ein Nutzer sich über Hirntumor-Behandlungen informieren möchte und das erste Ergebnis eine Suchanzeige ist?

Bestenfalls hat er die Marke des Werbetreibenden nicht wahrgenommen und überspringt die Suchanzeigen. Das Beispiel ist zwar etwas plakativ, dennoch in abgeschwächter Form auch auf weitere Gesundheitsthemen übertragbar.

Umso relevanter ist der organische Teil der Suchergebnisse. Hier genießt Platz 1 höchstes Vertrauen. Durch die alltägliche Nutzung von Google wissen User, wo sie wirklich guten Content finden. Mit der Zeit verknüpft der User die kompetente Digitalberatung mit den Marken der Erstplatzierten. Es entsteht Vertrauen und ein Brand Image, das Sie mit keinem Geld erkaufen können.

Verhältnismäßig wenige Nutzer klicken auf Suchanzeigen

Sistrix hat im Jahr 2017 mehr als eine Milliarde Klicks analysiert und herausgefunden, dass lediglich 13,6 % aller Klicks auf Suchanzeigen landen. Die restlichen 86,4 % hingegen auf organischen Ergebnissen.

Selbstverständlich gibt es hier Unterschiede nach Keyword-Art (informativ vs. transaktional) und Frequenz (hohes vs. geringes Suchvolumen), dennoch gehen immer mindestens Dreiviertel aller Klicks an den Suchanzeigen vorbei.

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Quelle: Analyse-Ergebnis von einer Mrd. Klicks, erhoben durch Sistrix

Google repräsentiert den Nutzer

Googles Ziel ist es, das Nutzerlebnis zu maximieren und dem User immer bessere Ergebnisse auszuspielen. Und genau das gefällt mir an SEO so gut. Es ist das vermutlich ehrlichste und zugleich signifikanteste Nutzerfeedback, das Sie bekommen können.

Denn SEO ist schon lange nicht mehr Title Tags, Meta Descriptions und Keyword-Stuffing, sondern immer mehr User Signals. D. h. Google analysiert anhand seins Algorithmus' mit verschiedensten Metriken, ob Nutzern der Artikel zusagt oder nicht - so entsteht letztlich das Ranking. Das bedeutet gleichzeitig: wenn Sie einen Artikel haben, der für ein umkämpftes Keyword auf Position 1 ranked, haben Sie verdammt gute Arbeit geleistet und Nutzer lieben Ihren Content zu diesem Thema.

Evergreen und Kostenvorteile

Dieser Vorteil ist allseits bekannt und sollte dennoch nicht vergessen werden. Zwar kann der initiale Invest in SEO höher ausfallen als der in eine Google Ads Kampagne. Ist die Sichtbarkeit jedoch einmal aufgebaut, ist der ROI wesentlich höher. Auch fallen operativ-administrative Aufgaben wie tägliches Kampagnen-Controlling weg. Das heißt jedoch nicht, dass nur einmalig in SEO-Content investiert werden sollte. Bedenken Sie, je umkämpfter ein Keyword ist, desto eher werden Wettbewerber versuchen, Ihnen die Platzierungen streitig zu machen.

Braucht es drei bis sechs Monate, bis sich die Rankings einstellen?

Pauschal ausgesprochen ist diese Aussage falsch. Dieser Zeitrahmen scheint sich in den Köpfen vieler Kunden verfestigt zu haben. In der Praxis habe ich Platz 1 Rankings binnen eines Monats erreichen können. Doch auch hier ist es eine Frage…

a)

der Investition: Wie viel bin ich bereit in die Konzeption zu stecken? Je mehr Gedanken ich mir im Vorfeld mache, den Wettbewerb analysiere sowie in multimedialen Content investiere, desto höher sind meine Rankingchancen.

b)

des Wettbewerb: Je stärker der Markt besetzt ist mit starkem Content und autoritären Domains, umso herausfordernder können Top-Platzierungen sein.

Worauf es im Medical SEO zu achten gilt

Wie ich eingangs bereits erwähnte, erschütterte ein Core-Update des Google Algorithmus' im August 2018 den Markt. Dieses Update ist seither bekannt als das Major Medic Update. Vor dem Update hätte ich vermutlich mit Onmeda noch von drei Giganten in der digitalen Gesundheitsberatung gesprochen, jedoch verlor Onmeda vom Update bis heute rund 92 % seiner Sichtbarkeit:

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Quelle: SEO-Visibility nach Searchmetrics

Die Domain Onmeda.de brach 2018 nach dem Medical Update um 92 % zusammen.

Ein weiteres Medic Update im März 2019 schoss Domains teilweise völlig aus der Suchmaschine wie reizdarm.one. Domains wie apotheken.de schafften wiederum trotz Einbruch den Umschwung:

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Quelle: SEO-Visibility nach Searchmetrics

Google lässt sich ungern in die Karten schauen und ist daher sehr vorsichtig, wenn es um Ursachen für derartige Entwicklungen geht. Bekannt ist jedoch, dass bei sogenannten YMYL-Inhalten („Your Money Your Life") besonders strenge Regeln gelten. Diese Regeln wurden mit den Core-Updates in den letzten Jahren ausgerollt, durch das Domains wie reizdarm.one komplett aus den Google-Suchergebnissen ausgeschlossen wurden.

Was sind „Your Money Your Life”-Inhalte (YMYL)?

YMYL bezieht sich auf Webseiten und Inhalte, die sich negativ auf die Lebensqualität der Menschen und/oder ihre Finanzen auswirken können. Oder, wie Google sie in seinen Richtlinien zur Bewertung der Suchqualität beschreibt:

»Jegliche Seiten oder Themen, die sich potenziell auf das zukünftige Glück, die Gesundheit, die finanzielle Stabilität oder die Sicherheit einer Person auswirken könnten.«

Google

Google liefert Informationen für jegliche YMYL-Seiten. Folgend drei Beispiele:

  • Bürger, Regierung und Recht: Informationen, die für die Aufrechterhaltung einer informierten Bürgerschaft wichtig sind, z. B. Informationen über Wahlen, Regierungsbehörden, öffentliche Einrichtungen, soziale Dienste und Rechtsfragen.
  • Finanzen: Finanzielle Beratung oder Informationen über Investitionen, Steuern, Altersvorsorge, Darlehen, Bank- oder Versicherungswesen, insbesondere Webseiten, die es Menschen ermöglichen, online Einkäufe zu tätigen oder Geld zu überweisen.
  • Gesundheit und Sicherheit: Beratung oder Information über medizinische Fragen, Medikamente, Krankenhäuser, Notfallvorsorge usw.

Im Zusammenhang mit Medical SEO ist für uns vor allem der gesundheitliche Aspekt interessant. Das heißt, informieren Sie Nutzer entweder falsch oder können Ihre Inhalte nicht belegen, kann dies Ihre Rankings massiv beeinflussen.

Behaupten Sie also, Ihr Produkt heile eine bestimmte Krankheit oder lindere Symptome, was aber nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert, beeinflussen Sie Ihre Google-Platzierungen negativ.

Ein Konzept, mit dem Sie systematisch Ihre Inhalte aufbauen können, ist das von Google vorgestellte E-A-T-Konzept.

Exkurs: Wieso „will" Google all diese Qualitätskriterien erfüllt sehen?

Der Konzern will die Welt verbessern, heißt es. Dieser Antrieb sei mal dahingestellt. Ein wesentliches Motiv steht jedenfalls im Zentrum der Strategie für den Geschäftsbereich der Suchmaschine: Google hat sich praktisch die Monopol-Stellung gesichert, weil es erfahrungsgemäß die besten Suchergebnisse ausspielt. In Bezug auf Aktualität, Usability und eben Qualität sind sie bedeutend besser als die Konkurrenz.

Diesen Vorsprung halten und ausbauen können sie – allen Vorwürfen der „Datenkrake“ zum Trotz – wenn die Qualität mindestens gehalten, wenn nicht gar gesteigert wird. Einen Teil leistet Google selbst. Durch neue Features, den immer präziseren Crawler und den immer intelligenteren Algorithmus. Den anderen Teil müssen die Website-Betreiber leisten, wozu sie Google mit Kriterien und Abstrafungen fast schon verdonnert.

Finanzen und Gesundheit zählen zu den am meist frequentierten Themenfeldern bei Google. Wenn hier die Qualität der Ergebnisse nicht stimmt und es Konsequenzen für das Individuum nach sich zieht, ist der Image-Schaden größer als beim Rezept, das zur versalzenen Carbonara-Sauce führt.

Was ist das E-A-T Konzept?

E-A-T ist ein Akronym, das aus den Wörtern „Expertise", „Authority" und „Trustworthiness" besteht. Anhand dieser drei Pfeiler bewertet Google Domains, Artikel und Content. Vor allem für YMYL-Inhalte sind diese immens wichtig.

Expertise

Laut Wikipedia ist ein Experte jemand, der „über überdurchschnittlich umfangreiches Wissen auf einem Fachgebiet oder mehreren bestimmten Sacherschließungen oder über spezielle Fähigkeiten verfügt". Das vorhandene Wissen allein reicht jedoch nicht aus, um Ihre Website mit organischem Traffic zu überfluten.

Sie müssen genau wissen, wie Sie dieses Wissen auf eine Weise vermitteln können, die die Menschen dahinter anspricht. Eine jüngere Zielgruppe mag es womöglich kürzer, prägnanter und multimedial untermalt, während eine ältere Zielgruppe es vielleicht besonders genau wissen möchte.

Immer wenn ein Nutzer googlet „Wie kann meine Website seine Rankings verbessern?", scheint die Standard-Antwort zu lauten: „Erstellen Sie großartige Inhalte, die Ihr Publikum liebt." So simplifiziert diese Antwort auch klingen mag, so zutreffend ist sie letztendlich auch.

Mein Beispiel mit einer jüngeren und älteren Zielgruppe war plakativ und kann in Einzelfällen tendenziell stimmen, ist jedoch in der Realität wesentlich komplexer. Letztlich ist es nämlich eine Frage der Phase in der Customer Journey. Befindet sich ein Nutzer noch ganz am Anfang seiner Journey, wird diesen Fachjargon vermutlich abschrecken, während er bei fortgeschrittener Recherche Fachjargon als ein Zeichen der Kompetenz wahrnimmt.

Authority

Experte sein ist großartig, jedoch ist das erst der Anfang. Wenn andere Experten oder Influencer in Ihrer Branche Sie als Informationsquelle zitieren oder wenn Ihr Name bzw. Ihre Marke zum Synonym für das entsprechende Thema wird, sind Sie nicht nur ein Experte - Sie sind eine Autorität.

Dabei geht es im Falle von E-A-T vor allem um die Domain-Autorität, die über Backlinks und Erwähnungen des Namen/der Marke auf anderen Webseiten erzeugt wird. Je autoritärer die verlinkende Domain, umso wertvoller ist es für Sie. Das heißt, der Unterschied, ob Sie von der FAZ erwähnt werden vs. der Erwähnung in einem beliebigen Forum, ist gewaltig.

Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass sich hinter Konzernen wie den Helios Kliniken große Opportunities verbergen. Die Marke ist im Gesundheitssektor sehr bekannt und die Domain genießt bereits hohe Autorität. Dadurch können Potenziale schnell geschöpft und Top-Platzierungen zeitnah erreicht werden. Startups hingegen müssen sich in Geduld üben und mit starkem Content überzeugen.

Trustworthiness

Der letzte Baustein des E-A-T Konzepts ist die Vertrauenswürdigkeit. Während Expertise und Authority primär das Ranking erhöhen, sorgt Trust vor allem dafür, die Rankings zu stabilisieren. Wenn Sie Ihre Website auch als Vertriebskanal nutzen, ist Trust ein elementares Mittel, mit dem Sie Ihre Conversion Rate erhöhen.

Beim Thema Trust unterscheide ich nach globalen Faktoren, die für jegliche Websites gelten, sowie nach branchenspezifischen, healthcare-relevanten Faktoren.

1) Globale Trustfaktoren

Dies sind all diejenigen Aspekte, die im Grunde jede Website benötigt. Beispielhaft sind das:

  • Vollständiges Impressum, AGBs, Datenschutz usw. dort, wo Sie ein User meist erwartet - im Footer.
  • Einfach auffindbare Kontaktmöglichkeiten, idealerweise per Mail, Formular, Telefon oder die Standorte
  • Eine sichere, SSL-zertifizierte Domain sowie die korrekte Implementierung von HTTPS.
  • Sofern digital Produkte vertrieben werden Lieferbedingungen, Rückerstattungsoptionen etc.
2) Healthcare-spezifische Trustfaktoren

Um einerseits den Nutzer zu überzeugen und somit auch Google, kann Vertrauen durch den Proof erbracht werden. Für professionelles Medical SEO müssen Inhalte beispielsweise über ein Quellenverzeichnis belegt werden. Gleichzeitig muss jedoch sichergestellt werden, dass die User Experience nicht darunter leidet und der Nutzer den Artikel in seiner präferierten Form dargeboten bekommt.

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Quelle: Netdoktor.de

Quellenangaben beeinflussen die Trustworthiness eines Artikels immens.

Ein weiteres elementares Werkzeug ist die Integration von Experten in Artikeln. Ob der Autor der Experte ist oder diese punktuell im Artikel herangezogen werden, ist eine konzeptionelle Fragestellung, die man im individuellen Fall näher betrachten muss. Bedenken Sie dabei, dass falsche Informationen schaden können. Ein erfundener Chefarzt, der der Autor der Seite ist, fällt vielleicht dem Nutzer nicht auf. Googles Algorithmus hingegen kann Ihre Informationen anhand von Datenbanken wie PubMed, Google Scholar usw. leicht prüfen.

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Quelle: helios-gesundheit.de

Key Takeaways des E-A-T Konzepts bei YMYL-Inhalten

Wenn Sie medizinische, bzw. gesundheitsbezogene Informationen zu einem Thema bereitstellen, müssen Sie nachweislich über Fachwissen, Autorität und Vertrauenswürdigkeit verfügen, damit Google Ihren Content empfehlen kann.

Wenn Google einem Suchenden eine Seite empfiehlt, will Google nicht, dass „Fake News" verbreitet werden. Insbesondere wenn diese seine Gesundheit oder sein Glück beeinträchtigen könnten. Schlechter Rat ist nie gut, in Sachen Gesundheit kann er Ihrem Geschäft massiv schaden.

Wenn Sie im Digital Marketing E-A-T als Framework befolgen, bedeutet dies, dass Sie einen ganzheitlichen Ansatz für SEO und Content-Marketing verfolgen, da es nicht nur einzelne Artikel oder lediglich Ihren Blog/Magazin betrifft, sondern Ihre gesamte Domain.

Es mag für diejenigen, die auf blitzschnellen Erfolg ohne jegliche Investitionen aus sind, unbefriedigend sein. Doch Fachwissen, Autorität und Vertrauenswürdigkeit brauchen Zeit, um aufgebaut und gepflegt zu werden. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen man über Nacht auftauchen und die Ergebnisseiten von Google übernehmen kann, indem Backlinks eingekauft und Artikel mit Keywords vollgestopft wurden.

Die gute Nachricht ist jedoch, wer E-A-T erfolgreich umsetzt, wird nur schwer von den Spitzenplätzen in den Google Rankings verdrängt.

Warum auch der beste Artikel ohne semantisches Profil erfolglos bleibt

Nehmen wir an, Sie möchten für das eingangs erwähnte Keyword „Rückenschmerzen" den ersten Platz in den Suchmaschinen einnehmen. Sie machen Ihre Recherchen, analysieren die besten Ergebnisse, notieren sich, welche Aspekte Sie übernehmen können und welche Sie hinzufügen möchten. Anschließend verfassen Sie den besten Artikel über Rückenschmerzen, den das Netz jemals gesehen hat. Dennoch werden Sie es vermutlich nicht mal unter die Top 20 schaffen.

Der Grund dafür ist, dass Sie weder vom Nutzer noch von Google als „Subject Matter Expert“ wahrgenommen werden, also als der Experte auf diesem Gebiet. Um genau das zu erreichen, bedarf es semantisch angrenzenden Content. Denn Ihr Artikel zu Rückenschmerzen ist nur ein Baustein in der User Journey. Nachdem ein Nutzer sich zu Rückenschmerzen informiert hat, wird dieser vermutlich Begriffe wie „Wirbelsäule", „Bandscheibenvorfall", „Schmerzen im unteren/oberen Rücken", „Rückenschmerzen beim Sport" usw. googlen. Je mehr Sie über angrenzende Themen informieren, diese Inhalte idealerweise innerhalb des Artikels verlinken, umso höher werden Ihre Rankingchancen sein.

Das Beispiel von Netdoktor ist ein Paradebeispiel. Fast jede relevante Erkrankung, Behandlung oder Ursache, die mit Rückenschmerzen einhergehen, werden verlinkt und in eigenen Artikeln wiedergegeben.

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Quelle: Netdoktor.de

Lokales SEO in Healthcare und Pharma

Ein Platz 1 Ranking für einen Klinikenbetreiber für das Keyword „Krankenhaus" klingt zunächst sehr lukrativ. Rund 110.000 mal im Monat und somit etwa 1,32 Mio. mal im Jahr gibt der deutsche Nutzer diese Buchstabenkombination in der Google Suchmaschine ein. 

Betrachten wir dazu einmal die Google Rankings:

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Bei lokalem SEO richten sich die Suchergebnisse an Ihren derzeitigen Standort.

Wie Sie feststellen können, handelt es sich hierbei um ein standortbasiertes Keyword - die Rede ist von lokalem SEO.

Konkret heißt es, dass der Nutzer ein Krankenhaus in seiner Nähe sucht. 

Dieser Suchintention begegnet Google mit lokalen Ergebnissen. Das stellen Sie einerseits an der Google Maps Einblendung fest, andererseits sind auch die restlichen Suchergebnisse überwiegend lokal orientiert. Dass ein kleiner Teil der Nutzer sich doch auch mit dem Wort an sich beschäftigen, erkennen Sie an der Einblendung des Wikipedia-Artikels.

Egal ob Sie ein Zuweiser sind, eine Arztpraxis haben, eine oder mehrere Kliniken betreiben oder Apotheken leiten: 

Wenn Sie einen Standort haben, an dem Sie Leistungen erbringen oder Produkte verkaufen, ist lokales SEO für Sie höchst relevant. Nutzen Sie es bis heute nicht, haben Sie Potenzial verschenkt.

Der Vorteil von Google My Business Einträgen ist, dass sich positive Bewertungen entsprechend positiv auf Ihr SEO insgesamt auswirkt. Je positiver Ihre Bewertungen, umso mehr Nutzer werden voraussichtlich Ihren Standort besuchen. Gleichzeitig ist für Sie die Herausforderung, einerseits für positive Bewertungen zu propagieren und gleichzeitig mit negative(ere)n Bewertungen umzugehen.

Etwas aufwendiger kann es werden, wenn Sie bspw. eine Krankenhauskette wie Helios, Asklepios u. Ä. betreiben. Denn das Keyword Krankenhaus ist nur eines von vielen lokalen Keywords, die in Bezug auf medizinische Versorgung gesucht werden:

KeywordSuchvolumen je Monat
zahnarzt330.000
orthopäde290.000
hautarzt244.000
arzt207.000
frauenarzt189.000
hausarzt170.000
kinderarzt126.000
hno ärzte124.000
radiologie68.000
radiologe55.000

Zwar werden Sie als ein solcher Konzern keine Schwierigkeiten haben, Bewertungen zu erhalten, jedoch nehmen sich Menschen eher Zeit, ein negatives Erlebnis zu bewerten als ein positives.

Umso mehr rückt das Community Management in den Fokus. Je Standort müssen Sie auf Nutzer eingehen, kommentieren, beschwichtigen und rechtfertigen, ansonsten kann dieser eine Kommentar ausschlaggebend dafür sein, dass der nächste Nutzer doch lieber die benachbarte Klinik aufsucht.

Fazit

Medical SEO ist aus strategischer Sicht vom Krankenhausbetreiber über Pharmakonzern bis hin zum Gesundheitsstartup eins der effizientesten Kommunikations- und Vertriebsmittel. Kaum ein Kanal erbringt einen derartigen ROI in Sachen Image, Bekanntheit, Vertrauen und Umsatzgenerierung.

Je nach Investitionskraft, Ressourcen wie auch Geschäftszielen ergeben sich unterschiedlichste Strategien, um sich am Markt zu positionieren. So können Sie Ihren SEO-Funnel eng halten und erst in der Mitte sowie am Ende der User bzw. Patienten Journey ansetzen. Alternativ gehen Sie in die Breite und begegnen dem Patienten bereits ab seiner ersten Suchanfrage.

Mit lokalem SEO erweitern Sie Ihr Spektrum um Keywords, die nah an der Transaktion stehen. Hat der Nutzer bis dahin bereits über mehrere Touchpoints Ihre Marke positiv wahrgenommen, steigern Sie die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Nutzer für Sie als Anbieter entscheidet.

Ich könnte vermutlich noch viel über Medical SEO und seine Eigenheiten sowie Chancen erzählen. An der Stelle denke ich jedoch, dass Sie und ich das auf ein persönliches Gespräch vertagen sollten.

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Halil Uzun

Senior Consultant

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